WordPress-Plugin programmieren lassen: Kosten und Ablauf
Kurz gesagt: Ein individuelles WordPress-Plugin kostet bei einem Stundensatz um 90 Euro grob 270 bis 540 Euro für eine einzelne Funktion, 1.350 bis 2.700 Euro für ein Plugin mit eigener Verwaltungsseite und mehr, sobald externe Schnittstellen dazukommen. Die Stunden sind Schätzungen. Plane zusätzlich jährliche Pflege ein, weil WordPress- und PHP-Updates Anpassungen nötig machen können.
Bevor du ein Plugin programmieren lässt, lohnt eine Viertelstunde Suche. Das offizielle Verzeichnis auf wordpress.org bezeichnet sich selbst als größtes Verzeichnis freier WordPress-Plugins, und für sehr viele Wünsche gibt es dort schon eine Lösung, die jemand pflegt. Programmieren lassen lohnt sich, wenn keines passt, wenn die vorhandenen zu viel mitbringen oder wenn deine Abläufe so speziell sind, dass jede Lösung von der Stange verbogen werden müsste.
Für alles andere ist ein fertiges Plugin plus eine Stunde Konfiguration fast immer billiger.
Was ein eigenes WordPress-Plugin kostet
Pauschalpreise für Plugins findest du kaum, weil die Spannbreite riesig ist. Hinter dem Wort steckt mal ein Shortcode mit zwanzig Zeilen, mal ein Buchungssystem mit eigener Datenbank. Seriös ist nur die Rechnung über Stunden.
Als Stundensatz nehmen wir den Median freiberuflicher Softwareentwickler aus der freelancermap-Auswertung vom September 2026: 90 Euro netto. Die Stunden in der folgenden Grafik sind Schätzungen für typische Umfänge, keine Messwerte. Dein konkretes Angebot kann deutlich abweichen, nach oben wie nach unten.
Geschätzte Stunden × 90 € (Median-Stundensatz laut freelancermap, Sept. 2026). Eigene Schätzung, keine Erhebung.
Was die Stunden treibt, ist selten das Programmieren der Kernfunktion. Teuer wird es durch Formulare im Backend, Berechtigungen für verschiedene Benutzerrollen und Fehlerbehandlung. Dazu kommt das Zusammenspiel mit anderen Plugins, die schon auf der Seite laufen. Wer einen WooCommerce-Shop mit 30 aktiven Erweiterungen betreibt, bietet dem Entwickler ein anderes Arbeitsumfeld als ein schlanker Unternehmensblog.
Rechenbeispiel: Ein Plugin für Veranstaltungen
Angenommen, ein Verein möchte Termine im Backend pflegen und auf der Website als Liste anzeigen, mit Filter nach Monat und einer Anmeldung per Formular. Fertige Event-Plugins gibt es, sie bringen aber Ticketverkauf und Kalender-Exporte mit, die hier niemand braucht.
- Inhaltstyp „Termin“ mit Feldern Datum, Ort, Plätze (4 h)
- 360 €
- Listenansicht mit Monatsfilter (5 h)
- 450 €
- Anmeldeformular mit Mail an den Verein (4 h)
- 360 €
- Test mit Theme und vorhandenen Plugins, auch mobil (3 h)
- 270 €
- Abstimmung, Übergabe, kurze Doku (2 h)
- 180 €
- Netto, 18 Stunden
- 1.620 €
Angenommene Stunden für ein Beispiel, Stundensatz 90 € netto.
An diesem Beispiel sieht man, wo du sparen kannst. Verzichtest du auf den Monatsfilter, fallen fünf Stunden weg. Die Anmeldung über ein vorhandenes Formular-Plugin abzuwickeln statt über ein eigenes Formular, spart vielleicht drei. Solche Entscheidungen solltest du treffen, bevor das Angebot kommt, nicht danach.
Plugin, Snippet oder fertige Lösung?
Die Entscheidung hängt vor allem davon ab, wie lange die Funktion leben soll und wie viel sie mit dem Rest der Seite zu tun hat.
| Kriterium | Snippet in functions.php | Eigenes Plugin | Fertiges Plugin |
|---|---|---|---|
| Kosten am Anfang | sehr gering | mittel | gering bis mittel |
| Überlebt Theme-Wechsel | |||
| Passt genau zum Bedarf | teilweise | ||
| Updates durch Dritte | |||
| Abhängig von einem Anbieter | vom Entwickler | vom Plugin-Autor |
Für eine Zeile Code ist ein Snippet in der functions.php in Ordnung, etwa um ein Standard-Verhalten abzuschalten. Sobald es mehr als ein paar Zeilen werden, gehört der Code in ein eigenes kleines Plugin. Der Mehraufwand ist minimal, und die Funktion hängt nicht mehr am Theme.
Folgekosten: Was nach der Lieferung passiert
Nach der Abnahme ist ein Plugin nicht für immer fertig. WordPress erscheint mehrmals im Jahr in neuen Versionen, Wartungs- und Sicherheitsupdates mitgezählt, und auch PHP entwickelt sich weiter. WordPress empfiehlt laut seinen offiziellen Systemanforderungen inzwischen PHP 8.3 oder neuer. Code, der vor ein paar Jahren für PHP 7 geschrieben wurde, kann unter aktuellen Versionen Warnungen oder Fehler werfen.
Wie hoch die Pflegekosten ausfallen, hängt an den Abhängigkeiten. Nutzt das Plugin nur Kernfunktionen von WordPress, läuft es oft jahrelang unverändert. Spricht es dagegen mit der API eines Versanddienstleisters, muss es angepasst werden, sobald dieser seine Schnittstelle ändert. Was solche Anbindungen grundsätzlich kosten, steht im Beitrag zu Kosten für Schnittstellen.
Zwei Dinge solltest du deshalb von Anfang an klären. Erstens: Bekommst du den vollständigen Quellcode, am besten in einem Git-Repository, auf das du selbst Zugriff hast? Zweitens: Zu welchem Satz übernimmt der Entwickler spätere Anpassungen, und wie schnell?
Lizenz und Rechte: der Sonderfall WordPress
WordPress selbst steht unter der GPL. Für das offizielle Plugin-Verzeichnis schreiben die Plugin-Richtlinien vor, dass Code und Bilder unter der GPL oder einer GPL-kompatiblen Lizenz stehen müssen. Verschleierter Code ist dort nicht erlaubt.
Für ein Plugin, das nur auf deiner Website läuft und das du nicht weitergibst, spielen die Pflichten der GPL praktisch keine Rolle, weil sie vor allem beim Verbreiten greifen. Was für dich zählt, ist der Vertrag: Du willst das Recht, den Code zu ändern, von einem anderen Entwickler weiterpflegen zu lassen und auf weiteren eigenen Seiten einzusetzen. Wie du das formulierst, erklärt der Beitrag zu Nutzungsrechten an Software vom Freelancer.
Ein Warnzeichen ist ein Plugin, das nur mit einem Lizenzschlüssel des Entwicklers funktioniert oder dessen Code verschleiert ist. Damit bist du an eine Person gebunden, auch wenn du das Plugin bezahlt hast.
Woran du einen sorgfältigen WordPress-Entwickler erkennst
Der Preis sagt wenig über die Qualität. Ein paar Fragen im Vorgespräch sagen mehr. Gute Antworten sind kurz und selbstverständlich, ausweichende Antworten sind ein Signal.
- Entwickelst du auf einer Staging-Kopie oder direkt auf der Live-Seite?
- Liegt der Code in einem Git-Repository, und bekomme ich Zugriff?
- Wie gehst du mit Eingaben aus Formularen um? Die Sicherheitsdokumentation von WordPress gibt als ersten Grundsatz aus, keiner Nutzereingabe zu trauen, Daten zu prüfen und Ausgaben zu escapen.
- Was passiert mit den Daten, wenn ich das Plugin lösche?
- Folgst du den WordPress Coding Standards?
Die Frage nach den Formulareingaben ist die wichtigste. Typische Lücken wie Cross-Site-Scripting oder SQL-Injection entstehen genau dort, wo Daten von außen ungeprüft in die Datenbank oder auf die Seite gelangen. Bei einem Plugin, das Anmeldungen oder Bestellungen entgegennimmt, ist das kein theoretisches Risiko, sondern der Normalfall, gegen den man sich absichern muss. Wer bei dieser Frage von Nonces, Sanitizing und Escaping spricht, kennt die Dokumentation. Wer sagt, das brauche man bei so einem kleinen Plugin nicht, kennt sie offenbar nicht.
Seriöse Entwickler fragen ihrerseits nach einem Backup und nach einem eigenen Benutzerkonto, statt sich mit deinem Admin-Passwort einzuloggen. Wie du beides vorbereitest, steht unter Zugangsdaten sicher weitergeben.
So beauftragst du das Plugin
Beschreib nicht die Technik, sondern was Redakteure und Besucher hinterher tun können. Nenne WordPress-Version, PHP-Version laut Hoster, das aktive Theme und die Liste der installierten Plugins, die du unter „Werkzeuge“ und „Website-Zustand“ im Bereich „Bericht“ findest. Leg zwei oder drei prüfbare Akzeptanzkriterien fest und verlange, dass das Plugin zuerst auf einer Staging-Kopie getestet wird.
Wenn das Plugin absehbar zum Herzstück eines Geschäftsmodells wird, etwa mit Nutzerkonten und Zahlungen, ist WordPress vielleicht nicht mehr die richtige Grundlage. Dann lohnt ein Gespräch über eine eigenständige Webanwendung, bevor du tausende Euro in ein Plugin steckst.
Für den Anfang: Kopier den Website-Zustandsbericht aus deinem Backend, schreib drei Sätze dazu, was das Plugin können soll, und hol damit zwei Angebote ein.
Häufige Fragen
Reicht nicht ein Code-Schnipsel in der functions.php?
Für zwei, drei Zeilen ja. Der Haken: Die functions.php gehört zum Theme, und bei einem Theme-Wechsel ist die Funktion weg. Ein kleines eigenes Plugin kostet kaum mehr und bleibt unabhängig vom Theme.
Muss mein individuelles Plugin unter der GPL stehen?
Für das offizielle Plugin-Verzeichnis ja, dort sind nur GPL-kompatible Lizenzen erlaubt. Ein Plugin, das nur auf deiner eigenen Website läuft und nicht weitergegeben wird, ist davon praktisch nicht betroffen. Wichtiger für dich ist, dass du vertraglich den Quellcode und die nötigen Nutzungsrechte bekommst.
Wie lange dauert die Entwicklung eines kleinen Plugins?
Die reine Arbeitszeit für eine einzelne Funktion liegt eher bei Stunden als bei Tagen. Bis zur Abnahme vergehen trotzdem oft ein bis zwei Wochen, weil Abstimmung, Tests auf der Staging-Seite und deine Prüfung dazukommen.
Was kostet die Wartung eines eigenen Plugins?
Das hängt davon ab, wie viele fremde Dienste und WordPress-Funktionen es nutzt. Ein Plugin ohne externe Abhängigkeiten braucht oft jahrelang keine Änderung. Eines mit Schnittstelle zu einem Zahlungs- oder Versanddienst muss angepasst werden, sobald der Dienst seine API ändert.