Programmierer-Stundensatz 2026: was Freelancer verlangen

Redaktion Kleiner Auftrag Aktualisiert 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Freiberufliche Softwareentwickler in Deutschland verlangen laut einer freelancermap-Auswertung vom September 2026 im Median 90 Euro netto pro Stunde, die mittlere Hälfte liegt zwischen 80 und 100 Euro. Bei kleinen Aufträgen kommen Einarbeitung, Mindestabrechnung und Tests dazu, sodass eine Stunde Arbeit oft eineinhalb bis zwei Stunden auf der Rechnung bedeutet.

Alte mechanische Stoppuhr mit Kette vor schwarzem Hintergrund
Foto: Ansgar Koreng, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Angebot über „1 Stunde à 95 Euro“ wirkt eindeutig. Auf der Rechnung stehen dann 2,25 Stunden. Der Entwickler hat sich nicht verschätzt und will dich nicht über den Tisch ziehen. Er musste sich einloggen, den Code finden, eine Testumgebung aufsetzen und nach der Änderung prüfen, ob sonst noch alles läuft.

Wer den Stundensatz eines Programmierers beurteilen will, muss deshalb zwei Fragen trennen: Was kostet eine Stunde? Und wie viele Stunden braucht ein kleiner Auftrag wirklich?

Was Programmierer 2026 pro Stunde verlangen

Die aktuellste Zahl für den deutschsprachigen Raum stammt von der Projektplattform freelancermap. Für eine Auswertung vom September 2026 hat sie 2.337 aktive Profile freiberuflicher Softwareentwickler ausgewertet. Ergebnis: Der Median liegt bei 90 Euro netto pro Stunde. Ein Viertel verlangt 80 Euro oder weniger, ein Viertel 100 Euro oder mehr.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Es sind geforderte Sätze aus Profilen, keine abgerechneten Honorare. Und es geht überwiegend um längere Projekte, die Projektlaufzeit liegt im Median bei neun Monaten. Für Einsätze von zwei Stunden setzen manche Freelancer höhere Sätze an, weil der Verwaltungsaufwand pro Stunde größer ist.

Etwas höher liegt der Freelancer-Kompass 2026, eine jährliche Umfrage derselben Plattform. Über alle IT-Disziplinen nennt freelancermap dort einen Median von 95 Euro und einen Durchschnitt von 97 Euro pro Stunde. Der Unterschied erklärt sich zum Teil dadurch, dass die Umfrage alle IT-Bereiche umfasst und nicht nur die Softwareentwicklung.

Median-Stundensatz freiberuflicher Softwareentwickler nach Alter
  1. bis 30 Jahre80 €
  2. 31 bis 40 Jahre90 €
  3. 41 bis 50 Jahre90 €
  4. 51 bis 60 Jahre89 €
  5. über 60 Jahre84 €

Quelle: freelancermap, Auswertung von 2.337 DACH-Profilen, September 2026

Auffällig ist, wie wenig die Technologie ausmacht. Für rund 40 ausgewertete Technologien, darunter PHP, Java und React, liegen die Mediane laut freelancermap fast alle zwischen 85 und 90 Euro. Ob dein Auftrag in PHP oder JavaScript umgesetzt wird, ist für den Preis also weniger wichtig als die Frage, wie gut sich jemand mit deinem konkreten System auskennt.

Regional gibt es einen großen Sprung: In der Schweiz liegt der Median bei 129 Euro, in Österreich wie in Deutschland bei 90 Euro.

Warum ein Freelancer dreimal so viel kostet wie ein Angestellter verdient

Angestellte Softwareentwickler verdienen laut kununu-Daten, die freelancermap zitiert, im Schnitt 61.100 Euro brutto im Jahr. Umgerechnet sind das rund 29 Euro pro Stunde. Neben 90 Euro wirkt das wie ein dicker Aufschlag.

Der Vergleich hinkt. Ein Angestellter bekommt Urlaub und Krankheitstage bezahlt. Der Arbeitgeber trägt die Hälfte der Sozialversicherung und stellt die Ausstattung bis zum Schreibtisch. Der Freelancer finanziert all das aus seinem Stundensatz, dazu Zeit für Akquise und Buchhaltung, die niemand bezahlt.

Wie stark das ins Gewicht fällt, zeigt eine einfache Beispielrechnung. Die Annahmen sind bewusst rund gewählt und keine Erhebung:

Beispielrechnung: Was von 90 Euro pro Stunde übrig bleibt
Fakturierbare Stunden im Jahr (Annahme: 46 Wochen × 30 h)
1.380 h
Umsatz bei 90 € netto
124.200 €
Kranken- und Pflegeversicherung (Annahme)
– 11.000 €
Altersvorsorge (Annahme)
– 15.000 €
Hardware, Software, Büro, Versicherungen (Annahme)
– 9.000 €
Vor Einkommensteuer
89.200 €

Eigene Beispielrechnung mit angenommenen Werten, keine Erhebung. Steuern nicht berücksichtigt.

Die 30 fakturierbaren Stunden pro Woche sind dabei schon optimistisch. Wer zwischen kleinen Aufträgen wechselt, verliert mehr Zeit mit Anfragen und Abstimmung als jemand, der neun Monate im selben Projekt sitzt.

Was eine Stunde bei kleinen Aufträgen wirklich bedeutet

Für dich als Auftraggeber ist der Stundensatz nur die halbe Rechnung. Bei kleinen Aufträgen ist der Anteil an Nebenarbeit hoch. Typische Posten, die neben der eigentlichen Änderung anfallen:

  • Zugänge testen, Projekt lokal oder auf einer Staging-Umgebung aufsetzen
  • Code lesen, den jemand anderes geschrieben hat
  • Backup vor der Änderung, falls keines vorliegt
  • Test nach der Änderung, auch auf dem Handy
  • kurze Rückmeldung mit dem, was geändert wurde

Manche Freelancer rechnen in festen Takten ab, etwa in 15-Minuten-Schritten, andere haben eine Mindestabrechnung von einer Stunde pro Einsatz. Das ist legitim, sollte aber vorher feststehen. Frag danach, bevor du den Auftrag gibst.

Beispiel: Aus einer Stunde Arbeit wird eine Rechnung
Eigentliche Änderung
1,00 h
Einarbeitung in fremden Code
0,50 h
Backup und Test, auch mobil
0,50 h
Abstimmung per Mail
0,25 h
Summe 2,25 h × 90 € netto
202,50 €
Brutto inkl. 19 % USt
240,98 €

Beispielwerte zur Veranschaulichung, keine Durchschnittswerte.

Du kannst einen Teil davon selbst einsparen. Ein vorbereitetes Backup, ein eigener Zugang für den Entwickler und eine klare Beschreibung des Auftrags streichen die Posten zwei bis vier nicht ganz, machen sie aber kürzer.

Netto, brutto, Kleinunternehmer

Stundensätze werden im Geschäftsverkehr netto genannt. Auf der Rechnung kommen 19 Prozent Umsatzsteuer dazu. Eine Ausnahme sind Kleinunternehmer nach § 19 UStG: Wer im Vorjahr höchstens 25.000 Euro und im laufenden Jahr voraussichtlich höchstens 100.000 Euro Umsatz macht, kann ohne Umsatzsteuer abrechnen.

Für Unternehmen mit Vorsteuerabzug spielt das keine Rolle. Für Vereine, Privatleute und Ärzte ohne Vorsteuerabzug ist ein Kleinunternehmer mit 90 Euro dagegen günstiger als ein regelbesteuerter Freelancer mit 80 Euro netto.

Beauftragst du als Unternehmer einen Freelancer im Ausland, etwa über eine Plattform, gilt meist das Reverse-Charge-Verfahren nach § 13b UStG. Dann stellt der Freelancer ohne deutsche Umsatzsteuer in Rechnung, und du führst sie selbst ab. Wer das nicht weiß, merkt es spätestens beim Steuerberater.

Freelancer, Agentur oder Plattform: was du für den Satz bekommst

Der Stundensatz allein sagt wenig darüber, was am Ende rauskommt. Eine Agentur muss Projektleitung, Vertrieb und Büroflächen mitfinanzieren. Ihr Satz liegt deshalb eher über dem eines Freelancers. Dafür ist meistens jemand erreichbar, wenn der eine Entwickler krank ist, und es gibt eine zweite Person, die den Code kennt.

Ein einzelner Freelancer ist für kleine Aufträge oft die passendere Wahl. Kurze Wege, eine Ansprechperson, keine Weitergabe von Informationen. Das Risiko liegt im Ausfall: Ist er drei Wochen im Urlaub, wartet dein Fehler drei Wochen.

Plattformen mit internationalen Anbietern locken mit sehr niedrigen Sätzen. Rechne dort ehrlich mit: längere Abstimmung, Sprachbarrieren, Zeitverschiebung, eigene Zeit für die Kontrolle. Für einen klar beschriebenen, isolierten Auftrag kann das funktionieren. Für einen Eingriff in deinen laufenden Shop am Freitagnachmittag eher nicht.

Worauf du beim Vergleich achten solltest:

FrageWarum sie zählt
Wie schnell reagierst du bei einem Ausfall?Ein günstiger Satz hilft wenig, wenn der Shop zwei Tage steht.
Gibt es Zuschläge für Abende oder Wochenenden?Eilige Fixes landen oft genau dort.
Wer übernimmt, wenn du ausfällst?Bei Einzelpersonen eine berechtigte Frage.
Kennst du das System schon?Einarbeitung kostet bei jedem neuen Anbieter Zeit.

Stundensatz oder Pauschale für kleine Aufträge?

Bei einer klaren, gut beschriebenen Aufgabe ist ein Pauschalpreis oft angenehmer: Du weißt vorher, was es kostet, und der Entwickler trägt das Risiko, dass es länger dauert. Er preist dieses Risiko natürlich ein. Bei unklarer Ursache, etwa einem Fehler, den noch niemand gefunden hat, ist Abrechnung nach Aufwand mit einer Obergrenze fairer. Beide Modelle mit Zahlen nebeneinander findest du im Beitrag Festpreis oder Stundensatz, konkrete Preisbeispiele für typische Eingriffe unter Website-Änderung: Kosten.

Wenn du nicht sicher bist, ob dein Vorhaben noch ein kleiner Auftrag ist oder schon ein Projekt, hilft eine kostenlose technische Erstberatung bei einem Studio, bevor du Angebote vergleichst.

Frag beim nächsten Angebot drei Dinge ab: den Stundensatz netto, den Abrechnungstakt und ob es eine Mindestabrechnung gibt. Mit diesen drei Zahlen lassen sich Angebote zum ersten Mal wirklich vergleichen.

Häufige Fragen

Ist der Stundensatz netto oder brutto?

Freelancer nennen Stundensätze im Geschäftsverkehr in der Regel netto. Auf die Rechnung kommen 19 Prozent Umsatzsteuer, außer der Freelancer ist Kleinunternehmer nach § 19 UStG. Für Unternehmen mit Vorsteuerabzug ist das egal, für Privatleute und Vereine macht es 19 Prozent Unterschied.

Warum verlangt ein Freelancer dreimal so viel wie ein Angestellter verdient?

Weil er Urlaub, Krankheit, Rente, Krankenversicherung, Akquise, Weiterbildung und Leerlauf selbst bezahlt. Von 52 Wochen kann er nur einen Teil abrechnen. Der Bruttostundenlohn eines Angestellten ist deshalb kein sinnvoller Vergleich.

Sind Entwickler aus dem Ausland günstiger?

Auf Plattformen findest du deutlich niedrigere Sätze. Dafür steigt dein Aufwand für Abstimmung, Zeitzonen und Qualitätskontrolle. Als Unternehmer musst du bei Leistungen ausländischer Freelancer außerdem meist selbst die Umsatzsteuer nach § 13b UStG abführen.

Was ist ein fairer Tagessatz?

Mit dem Median von 90 Euro und acht Stunden ergibt sich ein Tagessatz von 720 Euro, den auch freelancermap so ausweist. Für einen kleinen Auftrag von wenigen Stunden ist ein Tagessatz aber selten das richtige Modell.